Das HLF 20/16 Hiddenhausen im Detail

Stromerzeuger, Beladung zur technischen Hilfeleistung
Herzstück des Fahrzeugs bildet der Stromerzeuger der Firma Eisemann (Typ BSKA 13) mit einer Nennleistung von
13 kVA. Das Aggregat ist im G 2 (als Primärgerät) auf einem schwenkbaren und in mehreren Stufen arretierbaren Geräteschlitten montiert. Der Stromerzeuger wird von einem 4-Takt-Benzinmotor (6,2 kW) angetrieben. Aufgrund des
großen Leistungsspektrums ist der gleichzeitige Betrieb von mehreren 230 V und
400 V –Verbrauchern möglich. Die Geräuschdämmung ermöglicht eine normale Verständigung der Einsatzkräfte auch bei großer Beanspruchung des Gerätes. Sind keine Verbraucher in Betrieb schaltet die Automatik des Aggregates nach kurzer Zeit auf energiesparende Leerlaufdrehzahl zurück, wodurch eine zusätzliche Geräusch-reduzierung erreicht wird.
Ein problemloses Arbeiten wird damit gerade bei Verkehrsunfällen mit eingeklemmten Personen erleichtert.
Die Steckerverbindungen mit Spiralkabeln für Lichtmast, „Schnellangriff Strom“ (Verbindung zu einer Kabeltrommel mit „Abrollfenster“ über dem Aggregat) und Hydraulikpumpe für Schere/Spreizer bzw. Rettungszylindersatz befinden sich senkrecht übereinander angeordnet direkt neben dem Stromerzeuger.
Des weiteren sind über dem Notstromaggregat das „Zusatzbeladungsmodul Beleuchtung“ (bestehend aus einer Flutertrage 2 x 1.000-W-Flutlichtscheinwerfern und Stativ) sowie Bestandteile des „Zusatzmoduls technische Hilfeleistung“ (bestehend aus einer herkömmlichen Kettensäge, einer Rettungssäge vom Typ Husqvarna Multicut sowie einem Trennschleifer) verladen.
Das bereits oben erwähnte Beladungskonzept (Aufteilung in Primär- und Sekundärbeladung, schwere Ausrüstung nach unten, leichtere Beladungsteile nach oben) wird besonders deutlich am G 1. Hinter der Ladebordwand befinden sich Schere und Schneidgerät (Typ Lukas LSP 44 B und LS 200) zusammen mit einer Doppelschlauchhaspel (jeweils 20m für beide Aggregate) sowie der Hydraulikpumpe auf einem ausschwenkbaren und in verschiedenen Positionen arretierbaren Geräteträger.
Spreizer und Schneidgerät des neuen HLF 20/16 waren bisher als Hilfeleistungssatz auf einem Tanklöschfahrzeug 16/25 der Feuerwehr Hiddenhausen untergebracht und wurden vom Aufbauhersteller auf das neue Fahrzeug übernommen. Darüber befindet sich ebenfalls ein um 90 Grad ausschwenkbares Drehfach (ca. 1.400 mm x 1.000 mm x 500 mm) mit dem Rettungszylindersatz 1 x Typ Lukas LZR 12/300 EN (300 mm Kolbenhub), 1 x Typ Lukas LZR 12/500 EN (500 mm Kolbenhub) und 1 x Typ Lukas LZR 12/700 (700 mm Kolbenhub). Alle Zylinder haben eine Druckkraft von jeweils
120 kN. Auf der Vorderseite des Drehfaches ist ferner noch der Überdruckbelüfter verlastet. Sind beide Gerätefächer ausgeschwenkt, wird der Innenraum begehbar, sodass die sekundär gelagerten Geräte bequem entnommen werden können.
In zweiter Reihe ist unter anderem die folgende Ausrüstung im G 1 untergebracht:
- Rohrdichtkissen (Power-Bags) und Hebekissen in verschiedenen Größen sowie die entsprechenden
Steuergeräte und Zubehörteile,
- Wassersauger (Permanentsauger vom Typ Vetter),
- Tauchpumpe (TP 8/1)
Schutzgeräte, Schläuche, Armaturen und Löschgeräte
Insgesamt sechs Atemschutzgeräte (Typ DrägerMan PSS 90) stehen auf dem HLF für den Erstangriff zur Verfügung. Die PA-Geräte für den Angriffstrupp werden im Mannschaftsraum mitgeführt, wobei die entsprechenden Halterungen (mit manueller Betätigung) als Rückenlehne körpergerecht geformt sind. Jeweils zwei weitere Geräte sind in den Geräteräumen auf beiden Fahrzeugseiten in ausziehbaren Absenkvorrichtungen verlastet.
Für die Brandbekämpfung ist im G 4 eine (manuell zu betätigende) Schnellangriffshaspel mit 50 m formstabilen Druckschlauch (S 25) und Hohlstrahlrohr eingebaut. Durch die neue Schlauchführung („Fenster“ mit seitlichen Führungsrollen) kann der Schlauch bequem nach allen Seiten ausgezogen werden. Ferner sind im G 4 die Kleinlöschgeräte (Pulver- und CO2-Löscher sowie Hochdrucklöschgerät vom Typ Auer HiPress) untergebracht.
Der Pumpenbedienstand ist im übrigen sehr übersichtlich gestaltet. Das Kontrolltableau besteht aus mehreren Modulen (u.a. Pumpenmodul, Wasser- u. Lautsprechermodul) und kann zur Durchführung von Wartungsarbeiten aufgeklappt werden. Durch die getrennte Farbgebung der Anschlüsse (Druckeingänge rot, Druckabgänge grün) werden Verwechslungen vermieden.

Fahrer- und Mannschaftsraum, Stromversorgung, Beleuchtung, Seilwinde
Das Fahrerhaus ist übersichtlich gestaltet. Ein Großteil der Bedienungsschalter und Kontrollleuchten für die feuerwehrspezifischen Installationen des Aufbauherstellers sind in einer Konsole auf der Armaturentafel des Fahrgestellherstellers untergebracht. In einem großen Ablagefach zwischen den vorderen Sitzplätzen befinden sich Fluchthauben, Aufsperrwerkzeuge (Ziehfix), Airbagsicherungsgerät, Ex-Warngerät (Typ Dräger Pac-Ex) sowie Blitzleuchten zur Verkehrsabsicherung. Im übrigen wird ein Absturzsicherungssatz im Mannschaftsraum mitgeführt.
Die Atemschutzüberwachungstafel ( Dräger Regis 5 Überwachungssystem) ist gut sichtbar in einer besonderen Halterung ebenfalls in der Fahrzeugkabine untergebracht. Im Bereich der Mittelkonsole zwischen Fahrer- und Mannschaftsraum werden vier 2-m-FuG mit den entsprechenden Ladehalterungen (alle jeweils mit Handmonofon bzw. Sprechgarnitur) vorgehalten.
Die Fahrzeugbatterie wird über eine 230 V-Einspeissteckdose geladen. Das fahrzeugeigene Ladegerät gibt dabei nur bei eingekuppeltem Einspeisstecker Spannung an die Verbraucher in den Ladehalterungen weiter. Eine weitere zusätzliche Schutzvorrichtung verhindert im übrigen das Absinken der Batteriespannung auf unter 23,8 V. Ein völliges Entladen der Fahrzeugbatterie aufgrund von defekten Ladehalterungen bzw. Verbrauchern wird so vermieden.
Die eingebaute Anlasssperre des Fahrzeugs verhindert ferner ein Starten des Motors, solange der Einspeisstecker nicht abgekuppelt ist.
Fahrer und Mannschaftsraum sind erhöht und damit besonders geräumig. Das Anlegen der Schutzausrüstung und das Auf- und Absitzen im Einsatzalltag wird dadurch bequemer. Zudem ist das Fahrzeug mit einer besonderen
Zusatzbeleuchtung im Mannschaftsraum ausgestattet, die den Einsatzkräften bei Dunkelheit Erleichterung bietet. So kann der Fahrer während der Einsatzfahrt auf „Grünlicht“ umschalten. Blendungen werden dadurch vermieden. Im übrigen ist die Mannschaftskabine mit zusätzlichen Fahrzeugblinkern ausgerüstet. Der Fahrzeugbesatzung wird so rechtzeitig angezeigt, wann fester Halt zu suchen ist.
Die Einstiegstritte zum Mannschaftsraum werden durch beleuchte Abschlussleisten eingefasst.
Das futuristische Lichtdesign mit blauen LED’s in den Einstiegsöffnungen bietet gerade den PA-Trägern bessere Orientierung bei Nacheinsätzen. Für ein Plus an Sicherheit sorgt im übrigen die neuartige Umfeldbeleuchtung, wobei Leuchtstoffröhren an den kompletten Fahrzeugoberseiten entlang laufen. Zu einer optimalen Absicherung der Einsatzstelle verfügt das HLF am Heck über eine Qudro-Blitzanlage.
Zwischen Fahrer/-Mannschaftsraum und Geräteraumaufbau ist der Lichtmast angeordnet, der pneumatisch auf eine Höhe von rd. sechs Metern (über Grund) ausgefahren werden kann. Die Scheinwerferbrücke ist mit 2 x 1.000-W-
Flutlichtscheinwerfern bestückt. Mit Hilfe der Fernbedienungen, die an Spiralkabeln im G 2 und GR untergebracht sind, lässt sich die Brücke elektrisch verstellen. So können die Scheinwerfer anschlagfrei um 360 Grad gedreht sowie auf- und abgeschwenkt werden.
Das Hiddenhausener HLF verfügt als weiteren Nebenantrieb über eine Seilwinde vom Typ Rotzler Treibmatic (Zugkraft 50 kN). Im Gegensatz zu herkömmlichen Zug- oder Hubwinden, bei denen das Seil auf eine (gerillte) Seiltrommel gerollt wird, verläuft das Zugseil bei der Treibmatic über sogenannte Spillköpfe in eine Speichertrommel. Dadurch werden eine konstante Zugkraft und eine gleichbleibende Seilgeschwindigkeit über die gesamte Seillänge erreicht. Die Funktionsweise des Gerätes ist daher besonders für den Feuerwehreinsatz geeignet. Im übrigen verhindert die integrierte Steuerungstechnik Bedienungsfehler. So schaltet das Gerät sowohl bei Überbelastung als auch bei Schleifenbildung während des Seileinlaufs ab. Das Steuerungsgerät für die Seilwinde befindet sich an einem (verlängerbaren) Spiralkabel im Fahrerhaus. Durch Umschalten auf der Bedienkonsole kann das Seil in verschiedenen Geschwindigkeitsstufen ausgezogen werden. Kontrollleuchten zeigen unter anderem den Belastungszustand an.
Text u. Fotos
Jens Vogelsang
LZ Schweicheln-Bermbeck




