Hiddenhausen Schweicheln-Bermbeck (Vo). Die Brandursachen sind unterschiedlich: Der vergessene Topf auf dem Herd, das defekte Elektrogerät ... „Was tun, wenn es brennt?“ Unter diesem Motto veranstaltete der Löschzug Schweicheln-Bermbeck Mitte Juni zum zweiten Mal ein zweistündiges Seminar für die Bevölkerung der Gemeinde Hiddenhausen. „Die Brandschutzaufklärung“, so Löschzugführer Nicholas Jost während der Begrüßung der Anwesenden, „gehört nämlich auch zur Aufgabe der Feuerwehr.“
Rund 15 interessierte Bürgerinnen und Bürger hatten sich am Samstagnachmittag am Gerätehaus an der Herforder Straße eingefunden. Brandschutztipps, praktische Vorführungen und Unterweisungen standen während der nachfolgenden Schulung auf dem Programm.
Bradfort (England) 11.05.1985: Während eines Fußballspiels legen „Fans“ auf der hölzernen Haupttribüne Feuer. Zunächst nimmt niemand die Gefahr ernst. Doch innerhalb weniger Minuten wird aus dem „Feuerchen“ ein Vollbrand der gesamten Anlage. Panik bricht aus ... Mit diesen schockierenden Fernsehbildern - sie gingen damals um die Welt - , leitete Torge Brüning, Brandmeister beim Löschzug Schweicheln-Bermbeck, seinen Fachvortrag ein. „Wichtig ist in einer Gefahrensituation, rechtzeitig zu erkennen, wie man sich richtig verhält“, so Brüning. Anschließend erläuterte der Brandmeister, der als Sicherheitsingenieur auch hauptberuflich mit der Materie vertraut ist, die Zeitfaktoren bis zum Eintreffen der Feuerwehr. Vom Erkennen des Brandes, über das Absetzen des Notrufs, die Alarmierung der Feuerwehr, deren Anfahrt und Positionierung an der Einsatzstelle, bis zum Aufbau des Löschangriffs vergingen normalerweise rund 15 Minuten. In dieser Zeit breite sich ein Zimmerbrand rasend schnell aus. „Die Brände sind heutzutage schneller und entwickeln größere Temperaturen, als noch vor einigen Jahren. Das liegt an den modernen Materialen mit hohen Kunststoffanteilen und der isolierenden Bauweise“, erklärte Torge Brüning. Ein weiterer Videofilm machte dies deutlich. Zu sehen war ein simulierter Papierkorbbrand in einem Büroraum, der sich bereits nach 3,30 Minuten zum Vollbrand entwickelt hatte und nach rund fünf Minuten zur Rauchgasdurchzündung führte. Wichtig sei, im „Fall der Fälle“ Ruhe zu bewahren. Die Menschenrettung stehe danach an erster Stelle. Wichtig sei auch Türen und Fenster zu schließen, die Wege für die Feuerwehr freizuhalten und den Anweisungen der Wehrleute zu folgen. Löschversuche sollten nur unternommen werden, sofern diese noch gefahrlos möglich seien. „Nach zwei Minuten reicht unter Umständen noch ein Eimer Wasser“, so Brüning, „nach drei Minuten kann meist nur noch die Feuerwehr helfen!“. Wichtig sei auch als Hotelgast den aushängenden „Flucht- und Rettungsplan“ bereits bei der Ankunft zu studieren. Im Ernstfall bliebe hierfür wahrscheinlich keine Zeit. Weitere Hinweise zum Brand- und Explosionsschutz, den Brandklassen und Brandursachen folgten. Torge Brüning: „Brennen kann nahezu alles, auch Metalle.“ Entscheidend sei daher, das richtige Löschmittel einzusetzen.
Mit praktischen Vorführungen ging es im zweiten Tei weiter. Zunächst konnten sich die Besucher/innen von den fatalen Auswirkungen einer Fettexplosion überzeugen. Feuerwehrmann Thomas Graf hatte sich dazu sicherheitshalber mit einem Hitzeschutzanzug ausgerüstet. Nicht ohne Grund: Nur eine geringe Menge Wasser in das siedendheiße Fett gegossen genügte, um einen „Feuerball“ zu erzeugen. Weiterhin wurde die Stichflammenbildung durch falsche Anwendung von Brandbeschleunigern als Grillanzünder demonstriert. Der Einsatz von Feuerlöschern bildete dann den Schwerpunkt der Praxisschulung. Mit Nomexjacke, Helm und Handschuhen geschützt konnten alle Seminarteilnehmer/innen selber einen Übungsbrand mit dem weißen Pulver ablöschen. „Zu beachten ist hierbei, möglichst kein Löschmittel probehalber zu vergeuden.“ Schließlich reiche der Inhalt eines Sechs-Kilogramm-Löschers nur für rund 10 Sekunden, machte Torge Brüning deutlich.
Die „Bürgerdienste“ zur Brandschutzaufklärung - übrigens eine Idee von Gemeindebrandinspektor Werner Lohmeyer - werden bei der Feuerwehr Hiddenhausen voraussichtlich fortgesetzt. Auch über einen Aktionstag zum verbeugenden Brandschutz wurde schon nachgedacht.

Foto 1: Anzünden des Übungsfeuers: Thomas Graf im Hitzeschutzanzug
Foto 2: LZ-Führer Nicholas Jost (l) und Torge Brüning im Gespräch mit den Bürgern.
Foto 3: "Mit Feuerlöscher zur Brandbekämpfung vor!"
Von Jens Vogelsang




