Hiddenhausen-Eilshausen (Vo). Viel Mühe und Zeit hatten die Vorbereitungen des Jubiläumsfestes zum 75-jährigen Bestehen des Löschzugs Hiddenhausen Eilshausen gekostet. Doch all die Arbeit war schließlich nicht vergebens, denn am Ende des Festwochenendes Anfang September stand zweifellos fest: Es war eine gelungene Jubiläumsveranstaltung und eine gute Werbung für die Arbeit der Feuerwehr.
Rund 250 Gäste hatten am Freitagabend zu einer Feierstunde in der neuen Fahrzeughalle des Löschzugs Eilshausen Platz genommen. Entsprechend lang gestaltete sich für Löschzugführer Fred Bergmeyer die Begrüßungszeremonie. Ein besonders herzliches Willkommen galt zunächst der Landrätin des Kreises Herford, Lieselore Curländer. Aber auch die befreundeten Vereine und Vertreter der bauausführenden Firmen des Hallenneubaus sowie nicht zuletzt die Feuerwehr-Abordnung aus der Partnerstadt Loitz (Mecklenburg-Vorpommern) und die Ehrenabteilung wurden vom Eilshausener Feuerwehrchef besonders bedacht. „Die Herausforderungen an eine Feuerwehr“, so Landrätin Curländer in ihrer Laudatio, „waren vor 75 Jahren nicht anders als heute.“ So mache Initiative leide heute an den nötigen finanziellen Mitteln, das sei damals nicht anders gewesen, meinte die Landrätin mit Blick auf die Anfänge der Feuerwehr Eilshausen. „Ja, wird sind für andere da!“ Menschen mit diesem Vorsatz müsse es immer geben, so Curländer zum Abschluss.
Ulrich Rolfsmeyer: „In der Feuerwehr gibt es viele Künstler!“
Bürgermeister Ulrich Rolfsmeyer war sich hingegen in seinen Grußworten sicher: „Mit der Jugendfeuerwehr, der aktiven Wehr und Ehrenabteilung ist die Feuerwehr wie eine Familie, die eine gute Basis für eine vertrauensvolle Arbeit schaffe.“ Besonders begeistert zeigte sich der Bürgermeister von einer originellen Werbeaktion für das Jubiläumsfest: An exponierter Stelle hatten die Feuerwehraktiven des Löschzuges ein übergroßes Feuerwehrauto aus mehreren hundert Getränkekisten aufgebaut. In der Feuerwehr gebe es offensichtlich auch viele Künstler, so Rolfsmeyer zu den Talenten der Wehrleute. Fünf Führungskräfte hätten die Feuerwehr Eilshausen in den vergangenen 75 Jahren geleitet. „Diese Zahl“, so Rolfsmeyer, „zeuge von einer hohen Kontinuität.“ Kreisbrandmeister Wolfgang Hackländer sparte ebenfalls nicht mit anerkennenden Worten. Die Feuerwehr Eilshausen habe seit je her über die Ortsgrenzen hinaus ausgeholfen. Bereits seit dem Jahr 1968 erfolge die „interkommunale Zusammenarbeit“ mit der Kreisfeuerwehrzentrale. Die Feuerwehr Eilshausen kümmere sich im übrigen wesentlich um das dörfliche Zusammenleben, ergänzte Werner Lohmeyer, Wehrführer der Gemeinde Hiddenhausen. Feuerwehrseelsorger Ulrich Roeske fand im Anschluss einige besinnliche Worte. Die Feuerwehr Eilshausen wurde in wirtschaftlich schweren Zeiten gegründet, erinnerte der Pastor: „Wir machen etwas, das Hoffnung macht!“, so mögen die Gründungsväter der Feuerwehr Eilshausen gedacht haben.
Symbolisch wurde der Schlüssel für die neue Fahrzeughalle übergeben: (v.l.n.r.) Wehrführer Werner Lohmeyer, Bürgermeister Ulrich Rolfsmeyer, Architekt Wilfried Bahr und Löschzugführer Fred Bergmeyer haben gemeinsam Grund zur Freude.
Als Halblöschzug zum Einsatz nach Minden
Löschzugführer Fred Bergmeyer hob nochmals einige Besonderheiten aus der 75-jährigen Geschichte hervor. Eigentlich fand die Gründungsversammlung der Feuerwehr Eilshausen bereits im Jahr 1926 statt. Die Beschaffung einer Feuerspritze und von Ausrüstungsgegen- ständen bereitete jedoch finanzielle Probleme, sodass sich die Mannschaft aus 24 Bürgern bereits nach kurzer Zeit wieder auflöste. Ein zweiter Anlauf verlief schließlich im Jahre 1932 erfolgreich. Während der Gründungsversammlung wurde Schmiedemeister Otto Taborsky zum Brandmeister der Feuerwehr Eilshausen ernannt. 1934 wurde die erste Motorspritze beschafft. Während des Krieges war der sogenannte Halblöschzug Eilshausen des Amtes Herford-Hiddenhausen auch bei Bombenangriffen in Herford, Bielefeld und Minden eingesetzt. 1958 wurde die Löschgruppe Eilshausen mit einem Löschgruppenfahrzeug LF 16 (800 Liter Wassertank) ausgerüstet. Die Einweihung des Feuerwehrgerätehauses an der Königsberger Straße folgte im Jahr 1964. In den Jahren 1978, 1994/1995 und 2007 wurden die Räumlichkeiten jeweils erheblich erweitert und modernisiert. Bergmeyer erinnerte ferner an die Gründung der Jugendfeuerwehr im Jahr 1990 und die schweren Einsätze bei den Firmen 3-H-Lacke (1978 und 1989) sowie Peter und Sohn (1980) sowie den Wohnungsbrand an der Ravensberger Straße (1992).
Zum Jubiläum eine neue Halle
Die Übergabe der neuen Fahrzeughalle folgte im weiteren Verlauf der Feierstunde. In neun Monaten ist das Bauwerk nach den Planungen von Architekt Wilfried Bahr entstanden. 15 Firmen führten die einzelnen Gewerke aus. „Die kalkulierten Kosten wurden schließlich um zehn Prozent unterschritten“, freute sich Bürgermeister Rolfsmeyer bei der symbolischen Schlüsselübergabe. In dem Erweiterungsbau wird in Kürze das neue Wechselladersystem der Feuerwehr Hiddenhausen untergebracht.
Wolfgang Hackländer seit 35 Jahren im Feuerwehreinsatz
Zum Abschluss standen noch vier besondere Ehrungen auf dem Programm:
Kreisbrandmeister Hackländer erhielt für sein 35-jähriges ehrenamtliches Feuerwehr-engagement das Ehrenzeichen in Gold. Daneben wurden der Hiddenhausener Wehrführer Werner Lohmeyer sowie die Kameraden Jürgen Schröder (Löschzug Schweicheln-Bermbeck) und Rainer Führ (Löschzug Eilshausen) für ihr 25-jähriges Dienstjubiläum mit dem Ehrenzeichen in Silber geehrt. Die von Innenminister Dr. Ingo Wolf unterzeichneten Ehrenurkunden wurden von Landrätin Curländer und Bürgermeister Rolfsmeyer überreicht.
Der Bläserkreis des CVJM Eilshausen unter Leitung von Andreas Lechtermann sorgte übrigens mit „moderner Kirchenmusik“ (es durfte mitgeklatscht werden!) für die musikalische Untermalung der Feierstunde.
Auszeichnung und Glückwünsche von der Landrätin: KBM Wolfgang Hackländer ist seit 35 Jahren im Feuerwehreinsatz.
Orientierungslauf: Kirchlengern überzeugte
Am Festsamstag stand in den Nachmittagsstunden der traditionelle Feuerwehrmarsch auf dem Programm. Der Orientierungslauf durch den Ortsteil erfuhr in diesem Jahr bereits die 22. Auflage. Insgesamt 18 Mannschaften waren an den Start gegangen. Darunter das Team „Rat- und Verwaltung“ mit Bürgermeister Ulrich Rolfsmeyer sowie die Mannschaften der Reservistenkameradschaft um Jürgen Czopp und Oberstabsarzt Dr. Meyer sowie die Jugend- feuerwehren aus Loitz, Spenge und Schweicheln-Bermbeck. An fünf Stationen musste Teamgeist und Geschick bewiesen werden. Schließlich konnte die Mannschaft der Feuerwehr Kirchlengern vor den Gruppen der Reservistenkameradschaft und der Feuerwehr Schweicheln-Bermbeck den diesjährigen Wettbewerb für sich entscheiden.
Während des großen Feuerwehrballs am Abend herrschte unter den mehreren hundert Gästen in der neuen Fahrzeughalle eine ausgelassene Stimmung. Hierfür garantierten „Wolfgang Petry“ (alias Dirk Maron) und „Die Dandys“.
Kartenkunde vor dem Orientierungslauf am Samstag: Jürgen Czopp u. Oberstabsarzt Dr. Meyer von der Reservistenkameradschaft.
Die Teams „Glockenstraße“ (eine Nachbarschaftsinitiative) und „Notinsel“ (Hilfsprojekt) vor dem Start.
Ebenfalls beim Orientierungslauf dabei: Die Jugendfeuerwehrabordnung aus der Partnerstadt Loitz mit Jugendwart Danilo Jung, Marc Lohrenz, Anne Melük und Anne Ahlgrimm.
Das Team "Rat und Verwaltung" beim Merkspiel
Die spätere Siegermannschaft aus Kirchlengern vor dem Start zum Schubkarrenparcours.
Am Gerätehaus abgetaucht! Ein besonderes Programm hatte der Festausschuss unter Federführung von Thomas Riepe auch für den Sonntag zusammengestellt. Besonders interessant waren dabei die Vorführungen der Tauchergruppe aus Lemgo. In einem Spezialcontainer, gefüllt mit 25 cbm Wasser, konnten die Tauchgänge durch große Bullaugen verfolgt werden. Per Ultraschalltelefon erfolgte die Verständigung zur „Außenwelt“. „Zwei Jahre dauert die Ausbildung zum Taucher“, erklärte Christoph Wolthaus von der Feuerwehr Lemgo am Gerätewagen-Wasser- rettung (GW-W). Rund 50 Tauchgänge seien innerhalb dieser Zeit zu absolvieren.
Waren am Sonntag in Aktion: Die Taucher von der Feuerwehr Lemgo.
LF 16 wartet auf Sponsoren
Wer genau hinschaute konnte übrigens zwischen den modernen Löschfahrzeugen eine besondere Rarität entdecken: Das LF 16 der Feuerwehr Hiddenhausen aus dem Jahr 1958 (MB LF 311, Aufbau Metz) wurde vor kurzem von der Werkfeuerwehr Lörrach „zurückgekauft“. Das Fahrzeug befindet sich jetzt im Privatbesitz einiger Hiddenhausener Kameraden. „Der Motor (110 PS mit Turbolader) und auch die Pumpe laufen noch tadellos“, erklärte Heino Ruschhaupt vom Löschzug Eilshausen stolz, „auch wenn die Dieselpumpe zur Zeit etwas undicht ist.“ Zur Restaurierung des Oldtimers hat sich ein Verein gebildet, der jetzt Sponsoren zur Finanzierung des Projektes sucht.
Wartet auf seine Renovierung: Das LF 16 der Feuerwehr Eilshausen aus dem Jahr 1958.
Sorgte am Abend für Stimmung: „Wolfgang Petry“, alias Dirk Maron.
Von J. Vogelsang (Text und Fotos)
Das "Cola-Auto" sorgte für viel Aufmerksamkeit. (Foto: P.Knafla)