Feuerwehr Hiddenhausen

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Schulung: Sicherheit im Umgang mit Gasen und Gasflaschen

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ImageHiddenhausen Schweicheln-Bermbeck (Vo). Gasflaschen können bei unsachgemäßer Behandlung große Gefahren bergen. Sind solche sogenannten Druckgefäße großer Wärme oder Erschütterungen ausgesetzt, ist erhöhte Vorsicht geboten.  Die Feuerwehr Hiddenhausen erhielt jetzt von der Firma Westfalen AG Münster eine Schulung im Umgang mit Gasen und Gasflaschen.
Dozent Martin Krude hatte im Gerätehaus des Löschzugs Schweicheln-Bermbeck umfangreiches Anschauungsmaterial ausgebreitet. Eine zerborstene Acetylenflasche erstaunte die Wehrleute. Die Stahlummantelung der Flasche hatte sich durch die Wucht der Explosion völlig aufgeschält. Acetylen, so erklärte Fachmann Krude ist ein extrem gefährliches Gas, das in Handwerk und Industrie zum Schweißen bzw. Schneiden Verwendung finde. Schon geringe Temperaturerhöhungen oder Erschütterungen der Gasflasche führten zu einem chemischen Zersetzungsprozess. Diese Zersetzung gehe mit einem Druck- und Temperaturanstieg in dem Gefäß einher. Für die Feuerwehr gebe es daher nur eine wirkungsvolle Einsatztaktik,  die Flasche aus sicherer Entfernung über mehrere Stunden mit großen Mengen Wasser herunterkühlen, um den Zersetzungsprozess zu stoppen. Gelänge dies nicht, so seien die Folgen nur schwer abschätzbar. Explodierende Acetylenflaschen könnten schließlich über 200 Meter weit fliegen. „Die freiwerdenden Kräfte reichen theoretisch aus, um einen 30 Tonnen Lastzug mehrere Hundert Meter anzuheben.“
 
Zerknallte und verformte Gasflaschen bieten eindrucksvolle Anschauungsstücke. 

In einem speziellen Thermobehälter holte Handwerksmeister Krude anschließend tiefkalten verflüssigten Stickstoff herbei und tauchte einen aufgeblasenen Luftballon in die minus 196 Grad kalte Gaswolke. Unter den Augen der Feuerwehrleute schrumpfte der Ballon mit knisternden Geräuschen zusammen und entfaltete sich anschließend an der Umgebungsluft wieder zu seiner ursprünglichen Größe. Ein Blätterzweig zerfiel hingegen nach dem „Stickstoffbad“ wie Glas in viele kleine Stücke. Um Erfrierungen zu vermeiden, erläuterte Krude,  dürfe bei diesem Stoff auf eine ausreichende Schutzkleidung nicht verzichtet werden. Die Wirkungsweise von industriellem Sauerstoff sei hingegen brandfördernd. Dozent Krude demonstrierte dies an einer brennenden Zigarette. Nach wenigen Sekunden hatte sich der „Glimmstängel“ unter Einwirkung des Sauerstoffs in Asche aufgelöst. Gefahren gehe im übrigen von Propangas aus, da dieses Gas schwerer sei als Luft. Propangas solle daher niemals im Keller, sondern immer an gut durchlüfteten Stellen, möglichst im Außenbereich gelagert werden.
 
Tiefkalt verflüssigter Stickstoff misst ca. minus 196 Grad Celsius. 
 
Weitere Versuche zur erstickenden Wirkung von Kohlendioxid und zum Flammenrückschlag folgten. Krude erläuterte im übrigen die Farbkennzeichnung der Gasgefäße am sogenannten Flaschenhals. Durch die unterschiedliche Farbgebung  könnten bereits aus sicherer Entfernung Erkenntnisse über den Inhalt gewonnen werden.  Spezielle Gefahrgutaufkleber sorgten hingegen zusätzlich für Aufklärung. Die Sicherung der sensiblen Gasgefäße im Straßenverkehr lasse im übrigen manches Mal zu Wünschen übrig, berichtete  der Fachmann aus seiner langjährigen Berufspraxis. Da werden Gasflaschen nur mit Gummibändern gesichert auf Dachgepäckträgern transportiert oder liegen betriebsbereit mit angeschlossenen Armaturen auf der Ladefläche.   

Auf dem Hof vor dem Gerätehaus durften die Wehrleute im Anschluss selber Hand anlegen.  Propangas und Acetylengas hatten sich an den Flaschenventilen entzündet. Die Einsatzkräfte zeigten dabei keine Schwächen, richteten die Gasgefäße auf und schlossen die Ventile. Zudem kamen Kohlendioxidfeuerlöscher zum Einsatz.


                                                                                                                      Von Jens Vogelsang
                                                                                                                              (Text u. Fotos)

 

 


Propangas ist schwerer als Luft.

 


Das gilt auch für Kohlendioxid.

 


 Kohlendioxidflasche als "Eiswürfelmaschine" umfunktioniert

 


M. Krude demonstriert eine Flammenrückzündung. 

 


Keine Verbesserung: Die neuen Farbkennzeichnungen von Gasflaschen.

 


Flüssiges Propangas tritt aus und verursacht eine gewaltige Stichflamme.

 


Gasflasche aufrichten und Ventil schließen: Jan-Hendrik Pieper zeigt wie es geht.

 


Brennendes Acetylen wird mit einem Kohlendioxidlöscher erstickt.